Von Köln nach Andermatt

Samstag 01.09.2007 von Köln nach Andermatt

Der Beginn meines Reiseberichtes über eine Reise mit dem Wohnmobil durch die Schweiz, Norditalien und die Toskana.

Viel Spass beim lesen!

Dem starken Wellengang, und dem damit verbundenen Ungemach, bei der Rückreise aus Norwegen Rechnung tragend, hatten wir uns entschlossen, dieses Jahr den Fähren abzuschwören und so fuhren wir Richtung Schweiz und Italien. Als Ziel war die Toskana ausgemacht und evtl. bei passendem Wetter auch mit der Option weiter südlich zu fahren.

Dass es ganz anders kommen sollte, ahnten wir zum Glück nicht.

Das Wetter war durchwachsen aber gößtenteils trocken. So ging es recht zügig Richtung Basel. Das neue Navigationsgerät liess uns auch direkt einen der üblichen Staus auf der A5 umfahren. Die Autobahnen in der Schweiz waren ebenso problemlos zu befahren. So war das letzte Highlight des ersten Tages der Aufstieg am Gotthard bis nach Andermatt. Die Strecke von einigen Motorrad-Urlauben kennend, schwelgten wir in Erinnerungen und da wir recht früh am Tage dort waren, fuhren wir die Landstrasse schon ab Altdorf. Das ist ein kleines Städtchen am Ende des Vierwaldstätter Sees. Die Strasse ist schön ausgebaut und so tuckerten wir langsam bergan. Die imposanten Bauten und riesigen Abraumhalden für den Gotthard-Basis-Tunnel trüben natürlich den Natureindruck etwas, gleichzeitig sind die Größenordnungen der Förderbänder und Sortieranlagen doch auch wieder beeindruckend.

Nach Göschenen kamen die ersten Serpentinen und bis Andermatt hoch schnaufte unser 2,8 JTD doch ordentlich. Glücklicherweise fuhr vor uns ein Bau-Lkw, sodass auch wir mit den Fingern auf ihn zeigen konnten. “Wir könnten ja schneller, aaber…”

Der Stellplatz in Andermatt ist ein vollkommen offener Platz an der Gemsstock-Seilbahn. Spannend daran ist eigentlich nur das Licht auf der Toilette. Das ist nämlich von einem Bewegungsmelder abhängig – der sinnvollerweise am Eingang hängt. Falls man also ein längeres Geschäft verrichten muss, geht irgendwann einfach das Licht aus. Und so kann man sich dann im Dunkeln zurecht machen und den Ausgang suchen.

Andermatt ist ein schnuckeliges Städtchen mit alten, schindel-gedeckten Häusern und malerischen Gassen Schweiz - Andermatt Schweiz - Andermattund einer sehr breit gefächterten gastronomischen Infrastruktur.
Besonders empfehlenswert ist aus unserer Sicht das Gasthaus Tell an der Gotthard-Strasse. Einheimische und Touristen kommen dort gleichermaßen in den Genuss der bodenständigen und äußerst leckeren Küche. Nebenbei konnte ich meine bessere Hälfte nicht davon abhalten mir eine schicke Mammut-Cap zu schenken.

Für den späteren Urlaub haben wir uns bei der Metzgerei Uheim, ebenfalls auf der Gotthardstrasse angesiedelt, mit einer Portion frischer Leberkäse-Rohmasse eingedeckt.

Die Luft auf 1500 Metern über dem Meerespiegel war nach Sonnenuntergang recht frisch, so brachte das Thermometer es am nächsten Morgen gerade mal auf 7 Grad Celsius Aussentemperatur.

Andermatt über Nufenen nach Reckingen

Sonntag 02.09.2007 von Andermatt über Nufenen nach Reckingen

Die zu fahrende Strecke war heute nur extrem kurz, dafür aber auch extrem schön. Jedenfalls aus meiner Sicht eines Tier-Fotografen.
Von Andermatt ging es über den Furka-Pass. Die sehr gut ausgebaute Pass-Strasse ist morgens um Acht noch fast unbefahren und so hatte ich das große Glück vom Fahrzeug aus ein paar wilde Murmeltiere sehen zu können. Nach einigem Anschleichen und Ausnutzung meiner längsten Brennweite gelangen mir auch sogar ein paar feine Fotos von ihnen. Schweiz -

Von Andermatt kommend bietet der Furka-Pass kurz nach der Passhöhe einen grandiosen Ausblick auf das Aarhorn-Massiv.Schweiz -

In dem kleinen Ort Ulrichen biegen wir links ab in Richtung Nufenen-Pass (Passo della Novena). Auf halber Höhe zum Pass gibt es links der Strasse ein kleines Plateau. Dort tummeln sich extrem viele Falter Schweiz - , Widderchen Schweiz - Schweiz - und EulchenSchweiz - . Diverse Raupen, wie dieses Prachtexemplar des Wolfsmilchspinners Schweiz - , und Schrecken aller Art Schweiz - gibt es dort ebenfalls. Die strahlende Sonne brachte angenehme Temperaturen mit sich. Während ich zwei längere Exkursionen auf dem Plateau unternehmen konnte, pflegte meine Frau ihren Teint in der angenehm scheinenden Sonne. Weiter ging es zunächst zurück Richtung Ulrichen. Dort bogen wir links ab Richtung Reckingen, unserem nächsten Übernachtungsort, kauften uns zuvor aber zur Belohnung beim Bäcker zwei super leckere Walnusstörtchen.

Der Campingplatz in Reckingen liegt abseits der Hauptstrasse aber direkt an der Rhone. Hier ist die Rhone nur ein größeres Schmelzwasser-Flüsschen aber trotzdem rauscht sie recht lautstark zu Tal. Das gleichmäßige Rauschen kann man aber gut ausblenden und so sitzen wir bis Sonnenuntergang noch draussen.
Abends backen wir im Backofen den Leberkäse aus Andermatt frisch auf und lassen es uns gut gehen.

Von Reckingen nach Cannobio

Montag 03.09.2007 von Reckingen über Brig, Domodossola und Locarno nach Cannobio

Der N19 folgend tauschten wir in Goms, einem kleinen Ort kurz vor Brig, einige Schweizer Franken in Käse um. Die Rhone verliessen wir dann in Brig, einer mittleren Industriestadt und lenkten linkerhand in Richtung Simplon-Pass.
Die Passhöhe wartet neben dem schrecklichen, selbst im freien mit Volksmusik beschallten, Busbahnhof auch mit einem genialen Blick auf das Spitzhörnli Schweiz - Spitzhörnli und einem folkloristischen Bergblick mit Hütte Schweiz - Simplonpassauf.

Kurz vor Domodossola biegen wir links auf die SS337 Richtung Locarno weil die direkte Route nach Cannobio uns auf der Karte nicht geheuer war.
Die SS337 ist aber auch nicht ohne. Maximal 2,30 breit darf laut Schild ein Fahrzeug sein. Unseres ist genau 2,30 m breit.
Die Höhe passte auch so gerade noch. Extrem kurvenreich und damit mit einer Durchnittsgeschwindigkeit von ca. 30 km/h ist es auch nicht gerade eine Schnellstrasse.
So tuckerten wir gemütlich durch das enge Tal bis es urplötzlich breiter wird und wir verwundert eine riesige Kirche vor uns sehen. Es handelt sich um die Wallfahrtskirche Madonna del Sangue Schweiz - Madonna del Sangue im nur 800 Einwohner fassenden Dörfchen Re.

Nach Re ging es wieder sehr kurvig weiter und erst kurz vor Locarno konnte ich das Tempo wieder etwas erhöhen. Locarno selber war nicht so unser Ding und so fuhren wir fast ohne Pause rechts am Lago Maggiore entlang nach Cannobio.

Cannobio ist ein kleines aber sehr feines Städtchen. Die ausladende Uferpromenade, zwischen der schönen verwinkelten Altstadt mit seinen engen Gassen Schweiz - Cannobio Schweiz - Cannobio und teilweise echt skurilen Häusern Schweiz - Cannobio Schweiz - Cannobio und dem See, lädt sehr zum Verweilen ein. Der Stellplatz liegt etwas abseits an einem Flüßchen und ist total ruhig. So ruhig, daß wir im letzten Licht des Tages einige Fledermäuse durch die Dunkelheit flattern sehen.

Von Cannobio nach Marinella di Sarzana

Dienstag 04.09.2007 von Cannobio nach Marinella di Sarzana

Lange Strecken Autobahn sind zwar nicht spannend, aber unabdingbar wenn man irgendwann in der Toskana ankommen will.
Also fahren wir zur Südspitze des Lago Maggiore und dort auf die Autobahn. Die Strecke nach Genua ist eigentlich ganz passabel, nur die letzte 20 Kilometer sind wegen der sehr engen Kurven nur mit 60 Km/h zu bewältigen. Von Genua geht es dann links rum an der Riviera weiter in Richtung La Spezia.
Das Meer sieht man leider nur selten rechts aufblitzen aber wärmer als in den Alpen ist es auf jeden Fall.

In Marinella di Sarzana, ein Ort in der Nähe der Mamor-Stadt Carrara, gibt es einen sehr schön gelegenen Stellplatz. Weit genug weg vom Autolärm aber dennoch nah genug, um in zwei Minuten am Strand zu sein. Dort machten wir einen ausgedehnten Spaziergang und konnten dabei einige schöne Marmorbrocken als Türstopper sammeln.

Zwischen dem angrenzenden Feld und dem Stellplatz liegt ein zugewachsener Wassergraben den zwei Eisvögel als Heimat ansehen. Knipsen liessen sie sich leider nicht, aber den kleinen Flitzern zuzuschauen war sehr kurzweilig.

Einen plakativen Sonnenuntergang gab es leider nicht. Dafür war der Ausblick auf ein kleines Bergdorf im letzte Abendlicht auch nicht schlecht.Italien - Bergdorf bei Carrara

Von Marinella di Sarzana nach Florenz

Mittwoch 05.09.2007 von Marinella di Sarzana über Lucca nach Florenz

Lucca! Mein absoluter Favorit der italienischen Städte (die ich kenne). Diese alte, noch vollständig von einer gigantischen Stadtmauer umgebene Stadt, lässt sich wunderbar zu Fuss erkunden. Gemütliche Plätze, Italien - Lucca enge Gäßchen, skurile Bauten Italien - Lucca, ein wenig Trubel – aber nicht zuviel, Geschäfte die zum stöbern einladen, was will man mehr. Nach einer kurzen Fahrt waren wir sehr früh vor Ort und suchten nach einigen Fehlversuchen den Schildern zu folgen, per Navi den örtlichen Womo-Stellplatz. Der war leider gar nicht schön gelegen und, das stellten wir aber leider erst bei der Ausfahrt fest, ein absoluter Abzocker-Platz. 10 Euro für 0-24 Uhr! In Summe also 20 Euro pro Übernachtung. Das war aber der einzige Wermutstropfen eines ansonsten genialen Besuches dieser schönen Stadt.

Mittags gönnten wir uns leckere, belegte Foccacia und Brot. Das Foccacia nahmen wir direkt auf einer Bank auf dem Anfiteatro Italien - Lucca zu uns. Das Treiben auf dem mäßig belebten Platz, die 22 Grad Celsius, die leise klassische Musik aus einem nahen Laden und der Platz selber ließen einen wünschen, länger dort bleiben zu können. Durch das längere Verweilen, bemerkte ich auch schöne Details, die sonst bei einem Stadtbummel meistens untergehen. Italien - Lucca Italien - Lucca Italien - Lucca

Der ungemütliche Stellplatz hielt uns von einer Übernachtung ab und so fuhren wir am selben Tag noch nach Florenz weiter. Aber nur bis zum Camping Internazional. Der entpuppte sich, obwohl direkt an der Autobahn gelegen als sehr ruhig und so pflegten wir unsere Füße und genossen das Brot aus Lucca mit dem Käse aus Goms. Abends gab es noch einen schönen Ausblick auf ein benachbartes Dörfchen Italien und die Aussicht auf einen weiteren Stadtbummel.

Florenz

Donnerstag 06.09.2007 Florenz

Bin ich der einzige Tourist dem es in Florenz zu laut und zu voll war? Vielleicht, aber ich bekenne mich zu meiner Ansicht. Vielleicht war ja auch der direkte Unterschied zum beschaulichen Lucca zu groß. Egal. Jedenfalls hat uns ein Tag vollkommen gereicht. Trotzdem habe ich natürlich nicht auf die Kamera verzichtet. Hier nun eine sehr persönliche Sicht auf Florenz.Italien - Florenz Italien - Florenz Italien - Florenz Italien - Florenz Italien - Florenz Italien - Florenz Italien - Florenz Italien - Florenz

Vom Campinglatz haben wir für die Hin- und Rückfahrt jeweils ein Taxi für 17 Euro gemietet. Die Mehrkosten zum Bus waren zwar nicht Ohne, aber es war gerade auf dem Rückweg bequemer als mit dicken Füßen auch noch im Bus stehen zu dürfen. Auch die Füße brauchen schließlich Urlaub.

Bewundernswert fand ich die Gruppe Niederländer, die mit Mofas das Land erfuhren. Bei der Geschwindigkeit sieht man die Gegend bestimmt mit anderen Augen.

Von Florenz nach Siena

Freitag 07.09.2007 Florenz – Siena

Nach einer schönen ruhigen Nacht wollten wir uns eigentlich in San Gimignano zuerst das Städtchen anschauen und dann evtl. dort übernachten. Aber, wie wir in den nächsten Tagen noch öfter merken sollten, dort sind Wohnmobile anscheinend nicht gerne gesehen. Der örtliche Stellplatz liegt etliche Kilometer vom Ort entfernt. Zusammen mit der Schönheit eines Busparkplatzes war der Gedanke an eine Übernachtung schnell wieder weg. Eine Besichtigung des Ortes ging ebenfalls nicht, da sämtliche Parkplätze mit Höhenbeschränkungen ausgestattet waren.

Ziemlich schockiert ob der offensichtlichen Feindseligkeit gegenüber Reisemobilen fuhren wir weiter.

Die Strecke nach Siena liess uns durch ihre Schönheit das Ganze aber wieder schnell vergessen.Italien - Toskana Italien - Toskana Und als kleines Bonmot hielten wir just an einem Supermarkt an, der meinen Lieblings-Whisky Lagavullin als Superschnäppchen im Angebot hatte. Da mussten wir natürlich direkt mit zwei Flaschen zuschlagen.

Kurz vor Siena machten wir nochmal Halt beim Weingut Casalgallo. Die stellen dort einen äußerst leckeren Wein her, den wir auch in größeren Mengen im Doppelboden bunkerten.

Siena selber gefiel uns sehr gut. Der Trubel war zwar größer als in Lucca aber noch erträglich. Wegen dem üblichen Touristennepp normalerweise keine Freunde von solchen Örtlichkeiten, nahmen wir doch am Il Campo eine Pizza zu uns. Wider erwarten waren Preise und Bedienung klasse. Die Pizza schmeckte ebenfalls sehr gut und das Ambiente mit dem Rathaus Italien - Il Campo und dem Platz rundete den gelungenen Abend ab.

Da der Campingplatz in Siena geschlossen hatte, mussten wir auf den Stellplatz “Palaspor” ausweichen. Der Platz ist, wie der Name schon sagt, der Busparkplatz einer Sporthalle. Dementsprechend sah er auch aus und die Gegend darum herum sah auch nicht sehr Einladend aus. Aber wir konnten zu Fuß die Altstadt Italien - Siena erreichen. Nachmittags waren wir mit dem skurilen Wächter des Platzes alleine und wir hatten uns schon vorgenommen, falls wir abends immer noch allein wären, weiter zu fahren. Aber der Platz war bei unserer Ankunft gut gefüllt und so konnten wir die Pizza beruhigt verdauen.

Am nächsten Morgen fuhren wir auf unserem Weg aus der Stadt an dem zweiten ausgewiesenen Stellplatz vorbei. Der liegt leider ziemlich zwischen Strassen eingezwängt. So ruhig wie Palaspor konnte er also auf keinen Fall gewesen sein. Wir hatten also die richtige Wahl getroffen.

Von Siena nach Montepulciano

Samstag 08.09.2007 von Siena nach Montepulciano~F73081~

Die Strecke von Siena über Abbazia Di S. Antimo nach Montepulciano war die schönste Italien - Toskana Italien - Toskana Italien - Toskana des ganzen Urlaubs. Dazu kamen noch einige wunderschöne Örtlichkeiten am Wegesrande. z.B. die Abtei in Abbazia. Italien - Abbazia Italien - Abbazia Mitten im Feld stehend, wirkt sie etwas deplaziert aber an sich ein sehr schöner sakraler Bau. Riesig und optisch schön verwittert sind auch die uralten Oliven-Bäume. Mit etwas Phantasie kann man bei diesem Exemplar ein schmales Gesicht mit schrecklicher Narbe auf der linken Wange erkennen. Italien - Olivenbaum

Der auf einem Berg liegende Ort Pienza bietet ein phantastisches Panorama Italien - Pienza. Direkt daneben bietet sich durch die weite Landschaft eine schöne Studie über die Ödnis von Feldern. Italien - Toskana

Montepulciano liegt auch auf einem Bergrücken und bietet sich mit der unten liegenden Kirche ebenfalls hervorraged für ein Panorama Italien - Montepulciano an.
Das Städtchen selber bietet sich geradezu an, zu Fuß erkundet zu werden. Italien - Montepulciano Italien - Montepulciano Italien - Montepulciano Italien - Montepulciano
Ab und zu hat man zwischen den Häusern eine super Aussicht auf das umliegende Flachland. Italien - Montepulciano
Der Stellplatz ist ein riesiger Platz am Rande des Busbahnhofes. Wenn man nicht direkt bei den Bussen parkt ist er auch angenehm ruhig.