Samstag 27.05.2006 von Köln nach Flensburg
In strömenden Regen sind wir losgefahren. Die Wettervorhersage: Regen – mal mehr mal weniger, aber immer nur Regen. Das hob natürlich unheimlich die Stimmung. Eine vergessliche Ehefrau, die eine Ehrenrunde über zwei Autobahnausfahrten veranlasste, trug noch ihr Schärflein zur extremen Stimmungslage bei. Wenigsten gab es im Verlaufe der Fahrt keine Staus, so das wir recht früh in Flensburg ankamen.
Kurz vor
Flensburg habe ich die Unzuverlässigkeit der Wettervorhersage in höchsten Tönen gelobt. Zunächst hörte der Regen auf und zum guten Schluss war es zwar bewölkt aber richtig gutes Wetter. Der Stellplatz ist zwar etwas gewöhnungsbedürftig und statt der avisierten fünf Plätze standen dort am Ende ca. 30 Mobile, aber dafür ist er direkt am Wasser und sehr ruhig gelegen.
Der Weg zum historischen Hafen führt erst durch einen noch aktiven Teil des Hafens mit furchterregenden Warnschildern. Gut erzogen wie wir sind, machten wir eine Bogen um das Gebiet. Als wir jedoch sahen, dass viele Radfahrer sich nicht um die Schilder scherten wurden wir auch mutiger. Also direkt am Wasser entlang. Und was kam uns direkt entgegen? Die Wasserschutzpolizei. Die fuhr aber seelenruhig an uns leise pfeifenden Touristen vorbei. Weiter gings also am Wasser. Ein Glücksfall, denn kurz darauf sah ich neben den diversen Stockenten die mir bekannte Silhouette eines Sägervogels. Gleichzeitig kam der Ärger hoch, mal wieder das falsche Objektiv dabei zu haben. Nachdem ich trotzdem einige Bilder geschossen hatte, benutzten wir die Hafenfähre, ein umgebauter historischer Schlepper, um die Hafenseite zu wechseln. Dort lockten einige Markstände. Wie wir aus den Plakaten entnehmen konnten, fand gerade die Rum-Regatta statt. Wie sich abends heraus stellte kamen dazu ziemlich viele historische Segelschiffe
zusammen.
Der Markt war recht übersichtlich und auch ein kurzer Besuch in der Altstadt
mit seinen sehr schönen Seitengässchen konnte uns nicht allzu lange aufhalten. Wieder zurück im Womo gab es ein Länderspiel im Fußball als Unterhaltung zum Kaffee.
Anschliessend das lange Tele auf die Kamera geschraubt und wir sind nochmal losgezogen. Der unterdessen als “Mittlerer Säger” identifizierte Vogel liess mir keine Ruhe. Die Frau tauchte in unerreichbarer Ferne nach Fischen, aber der Mann war nirgends zu sehen. Ein paar Schritte weiter konnte ich ihn dann doch noch erwischen. Zur Belohnung gab es dann beim Regattafest ein leckeres gefülltes Brot. Nebenbei bemerkt hatte sich meine Stimmung auch schon wieder etwas gebessert.

Sonntag 28.05.2006 von Flensburg nach Ulvik über Hanstholm und Bergen
Dänische Autobahnen Sonntags Morgens haben einen großen Vorteil: Man ist alleine und kann nach der Auffahrt den Tempomaten auf 110 einstellen – und erst bei der Abfahrt nach ca. 300 Km wieder ausmachen. Dazwischen passiert so wenig, das schon die Umstellung der Scheibenwischergeschwindigkeit eine willkommene Abwechslung ist.
In Hanstholm angekommen passierte auch nichts, ausser dem Warten auf die Fähre. Bis auf einmal einem Busfahrer die Langeweile zuviel wurde und ein wenig Action in die Sache brachte. Als alle gespannt auf das Verladen warteten tritt der Busfahrer mal eben aufs falsche Pedal und fährt einen massiven Drahtzaun nieder. Die dahinter stehenden Fahrzeuge, darunter auch unseres, haben Glück, das es sich nicht um eines dieser neumodischen PS-Monster handelt. Denn der relativ alte Linienbus legt nur den Zaun um und lässt die anderen Fahrzeuge in Ruhe.
Nach dieser kleinen Aufregung kam die große in Form des Einparkens auf der Fähre. In die angewiesene Lücke passt noch nicht mal ein PKW dachte ich zwar, fuhr aber cool und locker in die Ecke bis der Einweiser sogar lobend den Daumen hob.
Bei der Ausfahrt kann der Fahrgast noch einen schönen Blick auf den pittoresken Fischerhafen von Hanstholm
erhaschen.
Nach einem Blick in die engen Etagenbett-Kabinen waren wir froh, uns eine geräumigere Kabine mit normalem Doppelbett geleistet zu haben. Durch die etwas rauhe See (Rau für mich als Landratte, der Kenner wird darüber sicher lachen) fühlte sich die, mittlerweile wieder beste
, Ehefrau von allen um 19 Uhr bemüßigt eine Tablette gegen Reisekrankheit einzuwerfen. Die wirkte auch ganz toll.
So toll, dass ihr bis zum nächsten Morgen nicht mehr übel war, weil sie nämlich durchschlief. So saß ich in der Kabine und drehte Däumchen. Als es langsam dunkel wurde und ein Blick durch das Fenster Land zu erkennen gab, packte ich die Kamera und hielt meine ersten Eindrücke von Norwegen fest.
Nach zwei Stunden auf dem Panoramadeck schwand auch der letzte Funken Tageslicht, aber ich harrte (leicht bibbernd) der Zwischenlandung in Egersund. Die Hafeneinfahrt
war echt ein Erlebnis. Wie die den dicken Brocken von Schiff durch die schmale Einfahrt und dann im Hafenbecken auch noch umdrehten imponierte doch sehr. Am Rande des Hafens lag noch eine hell erleuchtete Baustelle auf einem Ponton und die örtliche Fischfabrik
war auch schön angeleuchtet. Nachdem ein Blick vom 7. Deck auf die Pier meine Höhenangst bestätigt hatte, begab ich mich endlich zur (Un-) Ruhe.
Kaum aus dem Hafen heraus, stampfte,rollte und gierte das Schiff wie Wild. Aber irgendwie schlafe ich dann doch neben meiner selig schlummernden Frau ein. Nach dem untauglichen Versuch eines Abendessens in der ansässigen Gastronomie am Vorabend verzichte ich nach dem Aufstehen um 7 Uhr auf ein Frühstück und stelle mich wieder auf das Panoramadeck.
Die Aussicht war wie nachts, grau in grau in grau. Nur etwas heller.
Ein Versorgungssschiff für Ölplattformen und diverse Fischfarmen bildeten unterwegs eine willkommene Abwechslung. Nach der Ausschiffung in Bergen sahen wir beim Zoll anscheinend unverdächtiger aus als ein VW-Bus mit einer Anglergruppe. Die wurden nämlich gefilzt, während wir, mit sicherlich mehr zu verzollenden Waren an Bord als der VW-Bus jemals hätte bugsieren könnte, durchgewunken wurden.


























































