Münster und Nordseeküste

Münster und Nordseeküste - Eisvogel

Meine erste Womo-Tour als “Single” begann mit der eher langweiligen Fahrt zu den Rieselfeldern bei Münster. Dort gibt es zu dieser Jahreszeit immer sehr viele Gänse und sonstige Wasservögel zu sehen. Beim Heidekrug, einer am Rande des Naturschutzgebietes gelegenen Gastwirtschaft darf man auf dem Parkplatz übernachten und die leckeren Pfannkuchen sind auch zu empfehlen. Nach Sonnenuntergang ist man dort ganz alleine und eine himmliche Ruhe herrscht.
Dort angekommen, zog es mich sofort nach draußen, hatte ich doch zum ersten Mal dort schönes Wetter. Das Naturschutzgebiet wimmelte leider auch nur so von Menschen die alle den gleichen Gedanken hatten. So war nicht allzuviel drin mit fotografieren. Alle Tiere zogen sich sehr weit vor diesen Menschenmassen zurück. In einer der Beobachtungshütten traf ich auf einen netten Kollegen, der mir die Stelle und Uhrzeit nannte, wo man gute Chancen hatte einen Eisvogel zu beobachten. Das ließ ich mir natürlich nicht entgehen und so stellte ich den Wecker auf sechs Uhr.

Aber da war es noch Stockduster. Also erst einmal Kaffee gekocht. Um halb sieben konnte ich dann den ersten roten Schimmer am Himmel erkennen. Bis zur Beobachtungshütte waren es ca. 20 Minuten im Dunkeln zu gehen. Es ist schon faszinierend, wie schlecht der Mensch sieht. Die Taschenlampe wollte ich nicht anmachen, also stolperte ich so vor mich hin. In der Hütte angekommen, konnte ich schon den beschriebenen Pfahl im Wasser erkennen. Zum fotografieren war es aber noch viel zu dunkel. In aller Ruhe das Stativ aufgebaut und dann zum ersten mal im Dunkeln die Kamera fertig gemacht. Die Displays sind zwar beleuchtet, aber die Tasten-Beschriftungen nicht. Und da geht es ganz schnell mit raten los, obwohl man sie eigentlich “im Schlaf” beherrscht. Der unterschied zwischen Theorie und Praxis ist dann plötzlich ziemlich groß.
Schon zehn Minuten, nachdem ich endlich alles aufgebaut hatte, setzte sich der Eisvogel auf den Pfahl. Leider war es immer noch viel zu dunkel und der Pfahl viel zu weit weg für ein gescheites Foto, aber alleine schon die Flugkünste und -geschwindigkeit beobachten zu können, war das frühe Aufstehen wert. Erinnerungsfotos habe ich natürlich trotzdem gemacht. Der Eisvogel kam leider nur noch einmal schon nach weiteren fünf Minuten wieder, So dass mir ein Foto bei gutem Licht versagt blieb. Nach zwei vergeblichen Wartestunden ging es wieder zurück zum Womo. Dabei konnte ich noch beobachten, wie drei Krähen einen Falken von ihrem Acker vertrieben.
Auf derMünster und Nordseeküste - Ditzumerverlaat Fahrt nach Ditzumerverlaat fand ich heraus, daß die Autobahnen im Norden des Landes genauso langweilig sind, wie in der Kölner Gegend. Kurz vor Ditzumverlaat sah ich auf einmal ein Schild zu einem Beobachtungsturm. Zeit genug hatte ich, also nix wie hin. Nach ca. zehn Kilometern steht man fast ohne Parkplatz vorm Deich. Den letzten Kilometer war die stacheldrahtgesäumte Strasse kaum breiter als das Womo. Zum Glück gabs keinen Gegenverkehr. Hinterm Deich ging es dann auf einem Dielen-Pfad durch die Binsen. Vom Turm sah man dann ziemlich viele Vögel. Fürs Fernglas auch ok, aber fürs Knipsen leider zu weit weg. Der Platz in Ditzumerverlaat ist sehr schön und ruhig gelegen und kostet, entgegen dem Promobil-Führer, seit neuestem drei Euro pro Nacht.
Nur ein Katzensprung Münster und Nordseeküste - Kibitz am nächsten Tag und schon stehe ich auf dem teuersten Stellplatz meines Lebens. 9,90 ohne Strom, Müll, V+E etc. Der Ort Greetsiel ist der normale Tourismus-Wahnsinn. Die Latscherei bis zu den Kleipütten ist enorm. Der Rückweg durch den heftigen Gegenwind noch enormer. Und wo habe ich die besten Fotos des Tages gemacht? Kurz hinter dem Hafen an einem kleinen Schlicktümpel ließen zwei unprätentiöse Kibitze neben prächtigen Portaits auch schöne Flugstudien zu. Das war leider auch der letzte Tag mit schönem Wetter.
Schon derMünster und Nordseeküste - Steinwälzer nächste Morgen brachte auf der Fahrt nach Fedderwardersiel Regen und trübe Sicht mit. Trotzdem eine erste Runde am Strand gedreht. Zu meinem Entsetzen mußte ich feststellen, daß kaum Vögel da waren. Anscheinend sind die Massen an Wat-und Wiesenvögeln nur während der Brutzeit hier. Nachmittags noch einmal eine Runde gedreht. Dabei konnte ich immer noch nicht viel mehr Vögel sehen, aber dafür zwei mir bisher unbekannte Arten. Einen Sanderling und mehrere Steinwälzer gaben sich ein Stelldichein am Strand. Das Bild zeigt einen Steinwälzer mit Beute. Am Ende der Runde im ortsansässigen Fischladen eine schöne Portion Krabben gekauft und zum Abendessen verspeist.
Das graue Wetter ließ auch in Freiburg/Elbe nicht nach und auch hier gab es so gut nichts zu knipsen. Auf den Feldern entlang der Sommerdeichstraße gab es zwar viele Kibitze zu sehen, aber leider waren die sehr scheu. Die großen Gruppen von Nonnengänsen haben eine Fluchtdistanz von 150 Metern und sind somit vor jedem Paparazzitum verschont geblieben. So langsam regte sich in mir der Wunsch wieder nach Hause zu fahren, da das Wetter laut Vorhersage auch in den nächsten Tagen nicht besser werden sollte. Aus dem Wunsch wurde spätestens nach dem abendlichen Ausfall der Heizung Gewissheit. Die Heizung ließ sich nicht mehr dazu bewegen Wärme abzugeben obwohl Gas vorhanden war.

So machteMünster und Nordseeküste - Zaunkönig ich am nächsten Morgen noch eine kurze Stippvisite an einem exponierten Baum an der Sommerdeichstrasse und fuhr anschließend nach Hause. Dieser Baum und die angrenzenden Büsche hatten es aber in sich. Neben einigen Grünfinken und einem Zaunkönig Liess sich dort immer wieder der kleinste Vogel Europas blicken. Das Wintergoldhähnchen suchte unter der Rinde des Baumes intensiv nach Kleininsekten. Leider bemerkte ich erst hinterher eine falsche Einstellung an meiner Kamera, so daß die Bilder des Vogels auch nur etwas fürs Archiv geworden sind. Aber eins zeige ich hier trotzdem.Münster und Nordseeküste - Wintergoldhähnchen Und damit endete die für dieses Jahr wohl letzte Reise mit unserem Wohnmobil ziemlich abrupt.

Erkenntnisse die ich während der Fahrt gewonnen habe:
- Allein Reisende müssen sich morgens den Kaffee selber kochen.
- Navigation alleine ist auch nicht so einfach. Mal eben am Wegesrand stehen bleiben kommt bei den lieben Mitmenschen selten gut an.
- Bei schlechtem Wetter nützt auch das beste Equipment nichts.